Wir über uns
Termin
Unsere Tiere
Tiergeschichten
Paten gesucht
Vermittlung
gesucht/gefunden
Fotoalbum
Aktuelles
Ziegenfest 2009
Heike hilft helfen
Besucherbericht
Schreck am Morgen
Fördermitglieder
Das tun wir...
Interessante Links
Kontakt
Gästebuch
Impressum


Gäste
Vielen Dank für den Besuch

Diesen Bericht schickte mir Herr Lempelius nach seinem Besuch, ich dachte es wäre schön mal einen Bericht aus einer anderen Feder als der meinen zu lesen und veröffentliche ihn hier, natürlich nach Absprache mit dem Verfasser. Viel Spaß beim lesen.

 

 

 

Meine Eindrücke vom Tierschutzhof Bovenmoor:

Spät Abends im 3. Programm sah ich einen Fernsehbericht über den Bovenmoorer Tierschutzhof, der mich gleichermaßen berührte und neugierig machte. Zwei Tage später machte ich mich auf den Weg, um diese für viele Tiere segensreiche -- weil lebensrettende -- Stätte aufzusuchen.

Allein die Anfahrt ist schon einen Ausflug wert: Wenn man die Autobahn 27 verlässt und in Richtung Bederkesa fährt, begibt man sich durch leicht hügelige Landschaften mit sehr viel Waldgebieten, die zu ausgedehnten Spaziergängen einladen. Ein Stück liebliche Wildnis im Cuxhavener Land, wo man doch eher karges Marschland und nordwest- sturmverbogene Bäume vermutet...

Als ich den Ort Bülkau erreicht habe und in die Straße Bovenmoor einbiege, bin ich nach ca. 500 Metern an meinem Ziel: den ehemaligen Bauernhof Bovenmoor 38. Ein Schild am Eingangstor teilt mir mit, dass sich hier der Tierschutzhof mit Schulstation der Terra Mater e.V.

befindet. Ich betätige die Glocke, die an der Eingangspforte hängt und verursache damit ein vielstimmiges Gebelle und Gejaule mehrerer vermutlich kleiner Hunde, das mir aus den Stallungen entgegen schallt. Danach erscheint ein junger Mann, begrüßt mich freundlich und öffnet mir die Pforte, um mich reinzulassen.

Sein Name ist Florian. Er lernt hier den Beruf des Tierpflegers, des Tierpflegers für Zootiere, wie er mir später erzählt. Also ist dieser Tierschutzhof auch ein Ausbildungsbetrieb.

Etwas später lerne ich die Leiterin dieser Einrichtung kennen:

Frau Sabine Salzmann, ehemalige Beamtin, jetzige Tierpflegerin mit sämtlichen Lizenzen, die vom Staat für eine fachgerechte Tierhaltung verlangt werden. Soll heißen: Sie ist auf Grund ihrer erworbenen Kompetenzen berechtigt, Tiere aller Arten und Größen zu halten.

Ich wusste gar nicht, dass es solche Vorschriften gibt, finde aber gut, dass sie existieren... (Leider wird in Privathaushalten diesbezüglich zu wenig geprüft...)

Einer von Frau Salzmann’s Grundsätzen lautet: „Ich will alles über Tiere wissen.“

Außer ihr und Florian gibt es noch Gesa, Jörg und Maren                                   die mehr oder weniger regelmäßig auf diesem arbeitsintensiven Tierschutzhof mithelfen zu füttern, zu reinigen, zu pflegen usw.

Frau Salzmann erklärt sich sofort nach unsrer Begrüßung bereit, mir die Einrichtung zu zeigen.

Als erstes betreten wir den ehemaligen Kuhstall, aus dem mir das vielstimmige Hundegebell entgegenschallte. Und dieses Hunderudel in Form von 10 verschieden rassigen Hundegeschöpfen begrüßt mich freudig in einer Art und Weise, als würde man mich bereits länger kennen. Frau Salzmann beendet diese euphorische Zeremonie des Rudels mit ein paar knappen Befehlen, woraufhin die zotteligen Herrschaften sich widerstrebend aber diszipliniert zurückziehen.

Links und rechts von mir befinden sich aus Holzplatten gefertigte Tiergehege und Käfige, den Bewegungsbedürfnissen der Tiere so angepasst, wie es in diesem großen Stall möglich ist. Sehr schnell fällt mir auf, dass mir keine unangenehmen Gerüche entgegenwabern. Ein Beweis dafür, dass hier oft und regelmäßig Lüftungs-, sowie Säuberungsaktivitäten erfolgen.

Das große Gehege auf der linken Seite beherbergt einige Kaninchen und Meerschweinchen. Dabei erinnere ich mich an den Fernsehbericht: In dem bekam Frau Salzmann ein paar Meerschweinchen aus katastrophaler Haltung angeliefert. Diese Tiere waren total verwahrlost, verfilzt und krank...

Die Geschöpfe, die ich jetzt dort in dem Gehege entdecke, machen einen sehr gepflegten und gesunden Eindruck. Und – es sind dieselben Meerschweinchen, wie in dem Filmbericht!

Auf der rechten Seite befinden sich ein paar Kleinunterkünfte für Exoten, die ich bis dahin noch nicht kannte.

Zum Beispiel ein Degu. Was ist ein Degu?? Er stammt aus Chile, aus der Familie der Trugratten. Was sind Trugratten? – Betrügen die ??

Fragen über Fragen, und wie werden die beantwortet? Keine Panik, Frau Salzmann erklärt das alles...

Da gibt es dann auch noch den Kurzkopfgleitbeutler aus Australien.

Und weil er, – wie der Name sagt --, mit kurzem Kopf und kleinem Beutel durch die Luft gleitet, um von A nach B zu gelangen, bekam er den schönen Namen „Sugar-Glider“ Er hat eine Lebenserwartung von bis zu 14 Jahren und...

Aber nein, ich will in meinem Bericht nicht zuviel Fachliches verraten, das mindert die Neugierde auf den Tierschutzhof, und es obliegt der fachkompetenten Frau Salzmann, dieses zu tun. Also macht es Sinn diese segensreiche Einrichtung aufzusuchen, wenn man u.a. mehr über Tiere erfahren will...

 

In einer Voliere befinden sich einige Wellensittiche, Nymphensittiche und Zebrafinken. Wir entdecken ein Aquarium in dem sich ein paar exotische Fische befinden. Über dem Aquarium, in einem Terrarium, lebt eine grüne Wasseragame (Was ist das? ...) in friedlicher Eintracht mit den Fischen, zu denen sie gelegentlich ins Wasser taucht. Die Fische sind übrigens zu groß, um ein lukullisches Interesse der Agame an ihnen zu wecken... Kleinere würde sie sofort auf ihren Speiseplan setzen.

Im weiteren Rundgang entdecken wir einige Kleingehege mit verschiedenen Mäusearten und in einem größeren einen eindrucksvollen 1,42 Meter großen Leguan, der wohl 5-6 Jahr alt ist. Der wächst immer, sein Leben lang, das machen übrigens alle Reptilien, Schlangen, Krokodile, alle. Das wusste ich auch nicht, jetzt weiß ich’s aber.

Übrigens, jedes Tier das sich hier befindet, hat einen Namen!

Liebevoll entsprechend seiner jeweilige Wesensart nach einigen Beobachtungen ausgesucht... Toll!!

In einem weiteren Gehege befinden sich Zwergsiebenschläfer. Bekanntlich sind Siebenschläfer nachtaktiv. Frau Salzmann übernahm diese Tiere von einer Dame, die sich darüber beklagte, dass diese Tiere „zu langweilig seien“, sie würden „den ganzen Tag nur schlafen“... Wozu gab Gott dieser Frau ein Gehirn, frage ich mich.

Aber über das Tieranschaffungsgebaren mancher Mitmenschen gibt es später noch ein paar Bemerkungen...

Und dann entdecke ich Smarty. Er liegt zusammengerollt schlafend auf einem weichen Hundekissen am Ende des Ganges. Ein Jack-Russel-Terrier. Ich knie mich zu ihm nieder und streichle ihn. Er wirkt müde, hebt aber trotzdem seinen Kopf und wackelt (höflich?) leicht mit dem Schwanz. Der Kopf sieht etwas verformt aus, und ich frage Frau Salzmann, ob der Hund krank sei. Sie erzählt mir, dass Smarty mit einem Wasserkopf geboren sei und die Tierärzte ihm eine Lebenserwartung von allenfalls sechzehn Wochen prognostiziert hätten.

Sie hat den Hund übernommen. Er ist jetzt fast zwei Jahre alt, und wenn er nicht so müde ist, wie im Moment, ist er ein freundlicher, schmusiger, allerdings behinderter Hund, der trotz seiner Krankheit ein paar kleine Dinge gelernt hat... ...Lebenswertes Leben, was totgesagt war, fällt mir dazu ein...

 

Irgendwann gehen wir dann ins Außengehege. Dort leben bei gutem Wetter draußen und bei schlechtem in der großen Scheune unter anderem, 5 Schafe, 9 Ziegen, 6 Ponys, 2 Esel, 3 Schweine, 1 Turmfalke, 1 Rehkitz, 1 Ringeltaube, 1 Frettchenpaar und 1 Lama

Das Lama hört auf den Namen Manati. Das heißt übersetzt „Seekuh“.

Warum es so heißt, weiß ich nicht, denn es ist ein drolliger, temperamentvoller Geselle, der mich neugierig mit seiner weichen Schlabberschnute beschnüffelt, sofort aber bedrohlich wie ein böser Araberhengst seine Ohren flach zurücklegt, wenn ich ihm in die Augen schaue und das Schnüffeln erwidern will. Also muss ich still halten, ihm meinen Rücken zudrehen und ihn gewähren lassen, dann ist er mir offensichtlich wohlgesonnen. Wenn ich im Juli aus meinem Urlaub zurück komme, werde ich für Manati die Patenschaft übernehmen. Ich hoffe, dass ich ihm dann auch mal in die Augen sehen darf, ohne dass er das gegebenenfalls mit einer saftigen Portion Lamaspucke bestraft...!!

Da gibt es auch noch das Pony Helena. Es kam völlig verwahrlost, verfilzt aus schlimmster Haltung und war schwer krank (Cushing-Syndrom). Irgendwann vermittelte es den Eindruck, dass es jetzt sterben wollte. In dieser Phase kam Frau Salzmann (warum auch immer) auf die Idee, die beiden Esel in Helenas Gehege zu lassen.

Die „Sterbende“ entwickelte daraufhin und sehr plötzlich eine starke Beziehung zu einem der Esel, erholte sich wieder, wurde gesund, und präsentiert sich jetzt als eine fröhliche „schöne Helena“, verliebt in einen Esel... Happy End aus menschlicher Sicht. Oder ?

Die Tiere erleben das wohl anders. Auf ihre Art. Oder genau so. Wer weiß...

 

Zum Schluss und nach all diesen Eindrücken frage ich Frau Salzmann, auf welche Art sie diese Geschöpfe bekommt.

Das geschieht auf vielfältige Art:

Sehr oft auf Grund „hirnloser“ Anschaffungen, siehe Zwergsiebenschläfer. Sie bekommt zurück gelassene Tiere. Entweder durch Tod der Besitzer oder sie werden ganz einfach bei einem Umzug zurück gelassen, weil man in der neuen Wohnung keine Tiere halten darf... Hier sind Katzen am häufigsten die Opfer. Selbstverständlich wohnen davon auch einige auf diesem Hof.

Andere Tiere stammen aus amtstierärztlicher Beschlagnahme oder sie übernimmt sie durch Meldung fragwürdiger Tierhaltung durch Tierschützer.

Frau Salzmann kritisiert zu Recht, dass viele Menschen sich mehr Gedanken über die Anschaffung eines Teppichs machen, als über den Kauf eines ach so niedlichen Wuschel- und Kuscheltieres—natürlich lebendig!

Beim Teppich wird überlegt: passt er farblich zu den Möbeln? Ist er zu teuer? Wie leicht ist er zu pflegen? Wie strapazierfähig ist er usw.

 Beim Tier? „Ach wie süß!!! Das nehmen wir mit...“

Und Die Verantwortungskonsequenzen danach sind dann meist sehr lästig, und „das Viech muss wieder weg...“ (Nix mehr mit Wuschel-Kuschel)

Übrigens: Frau Salzmann ist nicht bereit, Tiere aus solchen Käufen (wie sie leider noch bei Obi-Baumärkten möglich sind) zu übernehmen. Einerseits würde das ihre Aufnahmekapazitäten weit überschreiten und andrerseits würde sie dieses fragwürdige Kaufverhalten begünstigen, wenn sie letztendlich die Verantwortung, die bei anderen Menschen liegt, übernehmen würde.

Der Tierschutzhof Bovenmoor nimmt Tiere auf, vermittelt sie weiter und behält nicht vermittelbare Geschöpfe solange sie leben.

Die Tiere müssen rund um die Uhr versorgt und gepflegt werden.

Die Unterkünfte sind sehr arbeitsintensiv in Bezug auf Reinigung, Reparaturen und andere handwerkliche Arbeiten.

Und auch das Tierschutzhofgelände unterliegt keiner neumodisch-technischen „Selbstwartung“... Da gibt’s täglich eine Menge zu tun.

Ich bin stark beeindruckt. Obwohl ich ca 100 km entfernt wohne, habe ich mich entschlossen, hier gelegentlich bei einigen wichtigen Arbeiten (die sind alle wichtig) mit Hand anzulegen.

Und: Nach meinem Urlaub die Patenschaft für Manati zu übernehmen!

...Damit er mir wohlgesonnen wird! (Reiner Egoismus...!)

Bevor ich meinen Bericht nun endgültig abschließe, weise ich darauf hin, dass der Tierschutzhof nicht nur arbeits- sondern auch kostenintensiv ist und dass Frau Salzmann, sowie der Terra Mater e.V. immer wieder Mühe haben, diese Kosten abzudecken. Das wurde auch in dem Fernsehbericht deutlich!

Soll heißen: Der Hof ist auf finanzielle Spenden angewiesen, und ich hoffe, ich kann viele LeserInnen dieses Berichtes animieren zu spenden...

Wie und in welcher Form, das kann man auf der homepage des Tierschutzhofes erfahren.

Eberhard Lempelius, Bremen.   ebilius@freenet.de